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  06-01-2002:
Letskimit - Die Saga von Kimvestor und Letsbuyit


Das holländische Unternehmen Letsbuyit.com hatte eine vermeintlich geniale Geschäftsidee. Ihre Kunden sollten sich zusammenschließen und durch Sammelbestellungen bares Geld sparen. Fast jeder kennt solche Sammelbestellungen aus der Schule oder aus dem Büro. Durch das Internet sollte das Potenzial dieser Idee vervielfacht werden.

Leider haperte es an der Ausführung. Die ach so günstigen Letsbuyit-Angebote waren oft teurer als die Angebote im Elektronikmarkt nebenan. Kunden beschwerten sich über falsch gelieferte Ware, lange Lieferzeiten und Probleme mit der Garantieabwicklung. So verfügte die junge Firma zwar über eine gigantische Werbekampagne, das operative Geschäft ließ aber zu wünschen übrig. Zudem strömten weitere Konkurrenten auf den "Powershopping"-Markt.

So wunderte es niemanden wirklich, als die niederländische Firma Anfang 2001 ins Straucheln kam. Am 19. Januar musste das Unternehmen, das erst 1999 gegründet worden war, bei einem Amsterdamer Gericht Konkursantrag einreichen. Die Aktien wurden zu einem Kurs unter einem Euro gehandelt, zwischenzeitlich waren die Anteilsscheine gerade mal 8 Cent wert.

In dieser Situation trat plötzlich Kim Schmitz als Retter auf. Er half mit, eine Garantiezahlung von 4 Millionen Euro aufzubringen, 1,2 Millionen Euro soll er aus eigener Tasche zugeschossen haben. Dazu stellte er weitere Millionen in Aussicht. Unter anderem dem Spiegel sagte er: "Wir wollen 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen, weil das Konzept von LetsBuyIt.com einfach genial ist." Nicht er persönlich werde das Geld zur Verfügung stellen, sondern seine Risikokapitalgesellschaft Kimvestor. Von der hatte bis dato noch niemand etwas gehört - aus dem einfachen Grund, dass es sie bis dato noch nicht gab.

So suchten Journalisten vergeblich einen Handelsregistereintrag für die Risikokapitalgesellschaft. Schmitz konterte, dass er den Antrag Wochen vorher gestellt habe. Nachträgliche Recherchen von Spiegel Online ergaben: Erst am 31. Januar war der Vorgang beim Amtsgericht München eröffnet worden. Heise Online berichtet, dass der Antrag erst kurz vor einem Fernsehinterview eingereicht wurde, in dem Schmitz wegen der fehlenden Rechtsfähigkeit der Kimvestor angegriffen wurde.

Doch Kimvestor wollte nicht nur Geld verteilen, sondern auch viel Geld einnehmen. Auf der Webseite wurden Anteile an Kimvestor angeboten - mindestens 50000 Euro sollten die wagemutigen Investoren zahlen. Wagemutig deshalb, weil ihnen fast alle relevanten Informationen vorenthalten wurden. Das Geld sollte dazu nicht etwa auf ein Firmenkonto, sondern auf ein Privatkonto von Schmitz eingezahlt werden. Die unbekannte Anzahl an Anteilsscheinen sollten aber maximal eine Beteiligung von 10 Prozent ausmachen - 90 Prozent wollte Schmitz selbst behalten. Vorwürfe wegen Prospektbetrugs weist Kim Schmitz zurück: bei so teuren Anteilsscheinen sei keine Prospektpflicht gegeben.

Ein weiteres peinliches Kapitel in der Geschichte von Kimvestor war die Benennung der Aufsichtsräte. Drei angesehene Manager wurden auf der Webseite von Kimvestor als Kontrollgremium präsentiert: der Dresdner-Bank-Vorstand Gerhard Barth, der DaimlerChrysler-Manager Dieter Haban und Gerrit Huy von Kirch Pay TV. Schönheitsfehler: Keiner der Geschäftsleute hatte Schmitz nach eigenen Angaben eine verbindliche Zusage gegeben. Flugs musste ein neuer Aufsichtsrat her - ohne bekannte Geschäftsleute. Einer der frisch gebackenen Aufsichtsräte soll seinen Lebensunterhalt als Barkeeper verdienen.

Die Zeitung Welt meldete Zweifel an der Liquidität von Kimvestor an. Aus Branchenkreisen wollte die Redaktion erfahren haben, dass Kimvestor keinesfalls über 50 Millionen Euro zum Investieren verfüge. Das Kapital der Firma bestände lediglich aus Schmitzs Beteiligungen an drei Firmen, die er kurzerhand zu "Kimpanies" erklärte, obwohl er bei zwei Unternehmen nur über einen Minderheitsanteil von 20 bzw 25 Prozent verfügt habe. Davon ging eine noch im selben Jahr in Konkurs. Schmitz blieb bei seiner Darstellung, über das nötige Geld zu verfügen.

Seriös oder nicht seriös - der Deal sorgte für Aufregung. Der Kurs von Letsbuyit schnellte in die Höhe - wenn auch nur im Cent-Bereich. Allerdings begannen die Kurssprünge schon am Tag bevor die Zwischenfinanzierung bekannt gegeben wurden. Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel hat im Juni eine förmliche Ermittlung wegen Insiderhandels mit Letsbuyit-Aktien eingeleitet. Schmitz beteuert, an keinen illegalen Transaktionen beteiligt gewesen zu sein.

Der Wirbel um Kimvestor schien inzwischen auch für Letsbuyit eher negative Folgen zu haben. Vorstand John Palmer, der schon zu Anfang betont hatte, sich nicht alleine auf Kim Schmitz zu verlassen, suchte lieber andere Investoren. Die Firma Kimvestor musste nicht mehr den Beweis antreten, ob sie die 50 Millionen Euro aufbringen konnte.

Letsbuyit dümpelt seit damals vor sich hin. Mehrmals sprangen Investoren ab, der Einstieg des Konzerns KarstadtQuelle sicherte dem Unternehmen eine Zukunft - auf welcher Basis auch immer. Auch die Firma Kimvestor existiert noch - nachvollziehbare Geschäftszahlen sucht man auf der Unternehmenswebseite aber weiter vergebens.

 
Letsbuyit und die Investoren
Nicht nur Kimble versprach Letsbuyit Millionen, die dann doch nicht gezahlt wurden. So hatte Shmulik Stein Letsbuyit eine Einlage von 30 Millionen Euro versprochen. Das Geschäft kam aber wegen "unakzeptabler neuer Forderungen" seitens des Investors nicht zu Stande. Aprospos geniale Geschäftsidee: Im dritten Quartal 2001 erwirtschaftete das niederländische Unternehmen bei einem Umsatz von 335.000 Euro einen Betriebsverlust von 14 Millionen Euro.